Der alte Baum

Der alte Baum war längst im Garten,
als ich auf die Welt kam. Später
hab ich am alten Baum geschaukelt,
im alten Baum bin ich geklettert,
hab dort gespielt, mich sicher gefühlt
und vieles wie neu empfunden.

Vom alten Baum hab ich die reifen
Früchte gepflückt, ich konnt’ nicht warten,
bis sie so waren, wie man’s schreibt.
Das aller erste Eichhörnchen bleibt
mit dem alten Baum eng verbunden,
wo das Pfauenauge gaukelt
und die Meisen warnen und pfeifen.

Der alte Baum alleine blättert
bei den auserlesenen Weinen
in dem Lebensbuch der Väter.
Der alte Baum wird mir noch seinen
Schatten spenden, wenn ich sterbe.
Der alte Baum, bei dem gewühlt
wird, ist mein einziger Erbe.

 

Lebensbaum Nr. 44
Literarische Zeitschrift für Naturbewusstsein
Bad Windsheim, Juni 2009