Author Archives: otheo

Rückkehr bei Nacht

Ein Stück Rehwild überquert

die Straße jetzt im Scheinwerferlicht,

wir bleiben beide stehn,

es äugt zu mir herüber,

den Motor lass ich einfach laufen.

 

Ein Bock im Bast um zehn

Uhr dreißig, so lautet der Bericht.

Er taucht am Bretterhaufen

unter, leise, unbeschwert.

Das kurze Treffen ist vorüber –

 

Das Waid-Blatt (Jagdschutz- und Jägerverein Kaufbeuren)

Heft Nr. 21-1/2018 (Februar)

Zwei Einzelgänger im Winter

In hohen Fluchten kam der erste Reh-

bock aus der Dickung über den Weg und floh

auf den mit wenig Schnee bedeckten

Feldern steil hinunter zu dem kleinen See,

verhoffte kurz und trollte dann dem Wald

entgegen. Ganz spitze Stangen hatte er,

die höher als die Lauscher schienen,

es war, als würde sein Spiegel fliegen –

 

Nach etwa tausend Metern, wo

mächtige Eschen überwiegen,

zog ein zweiter Bock von der linken Seite her

vorbei an den vergessenen Bienen-

stöcken nahe einer versteckten

Lichtung. Oft warf er auf und wurde rege, sein

Hals war kurz, sein Körperbau gedrungen, bald

verschwand auch er im nächsten Hain –

 

Neudammerin

Die Jagd

Jahrbuch für Jagdkultur und Geschichte im ländlichen Raum

Nummer 02/2017 (Februar 2018)

Zwischen den Jahren

Am Kamin

tauen Hoffnungen auf

vom Rotwein getrieben.

 

Sie wollen nichts verschieben,

wandern bergauf,

vertraut

mit der Alltagsfee

bis zum morgigen Termin.

 

Ein Rotfuchs schnürt ohne Laut

vorbei im blanken Schnee –

 

Der Wildhüter

Mitteilungsblatt für Naturschützer, Berufsjäger, Jagdaufseher, Jäger und Falkner

Jahrgang 2017, Nr. 4 (Dezember)

Gefährliche Begegnung

Für Peter

 

Auf dem Weg zurück, zur frühen Morgenstunde,

höre ich ein Geräusch aus Wind und Federn im

Gebüsch: Der Auerhahn, auf den ich gewartet

habe! Ich will filmen, doch er kommt auf mich zu,

 

wird näher, immer näher, jede Sekunde

näher wie ein Ritter zwischen Erde und Him-

mel im Revier, der mich als Feind betrachtet

und beobachtet misstrauisch, was ich tu‘.

 

Prächtig sieht er aus, wenn er mit dem großen Stoß

und mit dem Balzkragen sich vorwärts bewegt

und völlig ohne Furcht vor Menschen ein Rad

schlägt. Einen Fichtenast mit Nadeln habe ich

 

zu meiner Verteidigung, doch erbarmungslos

schnappt er nach mir mit dem Schnabel. Gut aufgelegt

bin ich, dann zwickt er mich, bereit zu jeder Tat,

in den Finger. Es schmerzt wie ein Wespenstich

 

und blutet etwas. Er bleibt stehn. Ich nehme

Distanz, um bessere Aufnahmen zu machen.

Er dreht sich um in Richtung der hohen Tannen,

nimmt hie und da Steinchen auf und verschwindet.

 

Ich werde dieses trotzdem sehr angenehme

Treffen, das für mich auch zu den mannigfachen

Aspekten des Lebens passt, nicht verbannen,

weil’s fester mich mit der Ur-Natur verbindet –

 

Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich …

Lyrik und Prosa zu Jagd und Natur (Anthologie)

Dichterkreis Jagdlyrik im BJV, Ausgabe 2018(November 2017)

Ein Frühlingsfuchs

Der Rüde kam,

die Beute nahm

er in den Fang

am steilen Hang.

 

Dann schnürte er

auf einmal sehr

geschwind nach links,

wo neuerdings

 

ich Morcheln fand.

Und dort verschwand

er hinterm Teich

im Schattenreich.

 

Kein Windhauch stört

das Bild. Man hört

nur, wie die Welt

zusammenhält –

 

Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich …

Lyrik  und Prosa zu Jagd und Natur (Anthologie)

Dichterkreis Jagdlyrik im BJV, Ausgabe 2018(November 2017)

Jagd auf den Marder

In wenigen kurzen Sprüngen war er

im Garten, wie einer, der alles bejaht,

auf einmal war er lange Zeit verschwunden,

dann wieder hier, mal auf rechter Seite,

mal ganz links, mal entfernt und mal sehr nah,

sein Weißkehlchen schien von überall her

zu kommen und gleichzeitig, nirgends zu sein.

 

Seit Tagen war’s das gleiche Spiel, nur ein-

mal blieb der Marder lange Sekunden

fast unbeweglich, doch in der Länge –

ich konnte nicht schießen trotz der Gier

meiner sehr empfindlichen Brille.

 

Doch plötzlich ist der Hausmarder da

und sichert erneut, in voller Breite.

Ein Schuss. Die Läufe schlegeln kurz, dann Stille.

Nun bleibe ich hin- und hergerissen

zwischen dem Kummer um das flinke Tier

und Stolz auf eine waidgerechte Tat,

ich spiele jetzt mit meinem Gewissen

gegen alle möglichen Klänge –

 

Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich …

Lyrik  und Prosa zu Jagd und Natur (Anthologie)

Dichterkreis Jagdlyrik im BJV, Ausgabe 2018(November 2017)

Sprung in der Abendsonne

Die Wiese sieht verwaschen aus,

das kurze Gras graubraun und matt,

der Sonnenschein hat kein Gewicht,

die warmen Schatten gibt’s noch nicht,

kein fettes Grün, kein Augenschmaus,

noch lange ist die Welt nicht satt.

 

Doch zwei Stück Rehwild deuten sich

am Waldesrand auf einmal an,

ein Schmalreh erst und eine Geiß,

genauso glanzlos blass im Kreis

wie die Umgebung eigentlich,

vom weichen Halm zum festen Tann.

 

Nun trollt ein Jährlingsbock den Hang

hinunter zu den andern zwei,

gemeinsam ziehn sie weiter ab-

wärts, sind zuweilen rege; knapp

vorm Bach, bei Sonnenuntergang,

verdeckt Gebüsch dann alle drei –

 

 

Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich …

Lyrik  und Prosa zu Jagd und Natur (Anthologie)

Dichterkreis Jagdlyrik im BJV, Ausgabe 2018(November 2017)

Es kommt der Herbst

Der Nebel steigt,

die Welt erstickt,

zwei Rehe ziehen

 

zu Holze. Zeitlos schweigt

das Bild, das friedlich nickt,

wenn Lichter fliehen –

 

 

Der Wildhüter

Mitteilungsblatt für Naturschützer, Berufsjäger, Jagdaufseher, Jäger und Falkner

Jahrgang 2017, Nr. 3 (September)

Bei Vollmond

Die Gräser und Halme bewegen sich

unmerklich im Rhythmus der lauen Lüfte.

Die Lichtung ist heute gelegentlich

so hell wie erfrischende Frühlingsdüfte –

 

Der Fuchs, der vorbeischnürt, ist erst vertraut,

wird rege, verlässt dann flüchtig die Bühne.

Jetzt schleichen Schatten, wohin man auch schaut.

Doch morgen wird alles ersetzt durchs Grüne –

 

 

Der Wildhüter

Mitteilungsblatt für Naturschützer, Berufsjäger, Jagdaufseher, Jäger und Falkner

Jahrgang 2017, Nr. 2 (Juni)