Die neue Neudammerin

Zeitschrift für Jagd & Natur

Anfang November

Das leuchtende Falllaub tanzt,
der Boden bedeckt
sich jetzt im welken Licht
mit Farbenklecksen.

Wie ausgefranst
ist deren Aspekt,
verlieren sie ihr Gleichgewicht
zwischen Bäumen und Gewächsen.

Maronen gedeihen
mit Ritterlingen
(wahrscheinlich den letzten)
und warten in Reihen
auf die gewetzten
Messerklingen.

Ein Wespenbussard lahnt,
Rehe ziehen,
die Zeit vergeht, man ahnt
den Wechsel der Harmonien.

Wo’s gestern noch so sonnig warm
war, wie im letzten August,
wird’s gewiss in Bälde frieren,
die Stille wird sich verkleiden.

Noch hat ein Schwarm
von Staren Reiselust,
noch dominieren
die Kühe auf Weiden –

 

Die neue Neudammerin
Zeitschrift für Jagd & Natur, Melsungen, Nr. III/2014, Mai 2015

Frühsommereindrücke

Die langen Gerstengrannen
bewegen sich im Feld
wie Meereswellen bis zum Tannen-
wald, der Hafenstimmung erhält –

Vier gescheckte Kühe
liegen wiederkäuend im Nachbargras,
wo schon längst in der Frühe
sich die Zeit vergaß –

Ein Bussard kreist im Segelflug,
lässt öfters Katzenrufe ertönen,
stundenlang, als hätt er nie genug
und würde sich dran gewöhnen –

Die neue Neudammerin
Zeitschrift für Jagd & Natur, Melsungen, Nr. III/2014, Mai 2015

Begegnung

Als ich vor kurzem den Rotfuchs sah,
da hatte er mich längst wahrgenommen.
Ich wollte ja einfach weiter kommen
und plötzlich waren wir uns ganz nah,

doch nur für wenige Sekunden.
Ein Rüde? Oder eine Fähe?
Auf einmal krähte links eine Krähe.
Ich sah nach rechts: Der Fuchs war verschwunden –

Die neue Neudammerin ,
Zeitschrift für Jagd & Natur, Melsungen, Nr. III/2013, November 2013

Frühling auf der Alm

Das Weiße der Narzissen durchflutet
die Felder, an manchen Schattenecken
liegt ganz vergessen grau gewordener Schnee,
wo bescheidene, bleiche Krokusse sprießen –

Durch die völlige Stille ruft unvermutet
ein erster Kuckuck, versteckt in den Hecken,
nicht weit von dem im Sommer geheimen See,
in den gewöhnlich die Bergquellen fließen –

Die neue Neudammerin ,
Zeitschrift für Jagd & Natur, Melsungen, Nr. I/2013, Mai 2013

Am Waldesrand

Wie gerupft erscheint die Wiese,
verwaschen dort, wo sie viel bunter
war und einen frischen Glanz besaß.
Zwischen den hellgrauen Flecken
alten Schnees und vergilbtem Gras
tritt ein Sprung Rehwild zur Äsung aus,
gegen die Notlage vereint;
es sind sieben Stück, darunter
vier junge Böcke, alle im Bast.

Eine scheue Mittagssonne scheint,
es weht noch eine kühle Brise.
Nichts will die Rehe erschrecken.
Vorbei an manchem geknickten Ast
ziehen sie weiter geradeaus –

 

Die neue Neudammerin
Zeitschrift für Jagd & Natur, Melsungen, Nr. III/2014, Mai 2015