Anfang November

Das leuchtende Falllaub tanzt,
der Boden bedeckt
sich jetzt im welken Licht
mit Farbenklecksen.

Wie ausgefranst
ist deren Aspekt,
verlieren sie ihr Gleichgewicht
zwischen Bäumen und Gewächsen.

Maronen gedeihen
mit Ritterlingen
(wahrscheinlich den letzten)
und warten in Reihen
auf die gewetzten
Messerklingen.

Ein Wespenbussard lahnt,
Rehe ziehen,
die Zeit vergeht, man ahnt
den Wechsel der Harmonien.

Wo’s gestern noch so sonnig warm
war, wie im letzten August,
wird’s gewiss in Bälde frieren,
die Stille wird sich verkleiden.

Noch hat ein Schwarm
von Staren Reiselust,
noch dominieren
die Kühe auf Weiden –

 

Die neue Neudammerin
Zeitschrift für Jagd & Natur, Melsungen, Nr. III/2014, Mai 2015

Ein Lächeln auf der Straße zeigt

Ein Lächeln auf der Straße zeigt
viel mehr als manches offene Tor,
dessen Breite sich vor dir verneigt:
Es hat die Kraft des Schilfs im Moor

und ist in jedem Winkel zu Haus,
wo man irgendwie den Zauber spürt,
es rollt den roten Teppich aus,
der bis zu deiner Wohnung führt –

 

Siegener Zeitung (2. Mai 2015)

Winterbild

Die Flöckchen schweigen
und landen leise
auf wirbelnde Weise,
ihr senkrechter Reigen
verzaubert die Schneise.

Verdeckt ist der Weg zum See.
Ein Brandfuchs schnürt vorbei
und löst sich auf im Schnee
wie eine rote Idee
am Feuer, frisch und frei –

 

Das Waid-Blatt (Jagdschutz- und Jägerverein Kaufbeuren),
Heft Nr. 15-1/2015 (Janu
ar)

Bücher sind Spiegel

Bücher sind Spiegel,
Veranstalter von Reisen,
Pacemaker. Die Fragen
sind die Sprache der meisten,
sie schützen sich wie Igel,
fressen wie die Meisen,
können alles ertragen
oder sich leisten –

… den Worten die Hand hingehalten. Ein Buch für Alfred Büngen (Anthologie) Vechta, Dezember 2014

Momentaufnahme in der Geest

Für Alfred

Der alte Fuchs war mit der Fähe
schon immer da für die Autoren:
zu jedem guten Buch bereit,
mit Leidenschaft bei jeder Gattung –

Die Arbeitsstapel in der Nähe
sind seine liebsten spitzen Sporen,
so ist er niemals unter Zeit-
druck, weit entfernt von der Ermattung –

Der alte Fuchs ist ein Genießer,
er liebt den Wein, spuckt nicht ins Glas,
sein Lieblingsthema sind die Spießer,
für ihn sind sie das rechte Maß –

Dann grinst er weiter beim Jonglieren
mit Texten, die ihn faszinieren –

… den Worten die Hand hingehalten. Ein Buch für Alfred Büngen (Anthologie) Vechta, Dezember 2014

26. April 2013

Von weitem waren’s zwei weiße Flecke
inmitten einer fettgrünen Wiese
mit einem hellgelben Rapsfeld gleich links
und dunkelbrauner gepflügter Erde
auf der andren rohen Schattenecke.

Näher betrachtet hatten sie eine
weiße Oberseite, schwarze Schwingen,
einen Schnabel, der lang und grellrot war,
und rote Ständer. Sie bewegten sich
ganz langsam ohne falsche Gebärde.

Die weißen Störche waren für meine
wunde Menschenseele wie Balsam. Klar
war die Botschaft, weit weg von der Krise:
Das Schöne ist griffbereit, immer rings-
umher, greif zu, sei unerschütterlich
und lass das Lied der Natur erklingen.

 

Tag und Nacht auf Jägers Pfaden, Lyrik und Prosa zu Jagd und Natur (Anthologie), Dichterkreis Jagdlyrik im BJV, Ausgabe 2015 (Dezember 2014)

Hochsommer

Die letzten Weizenfelder bereiten
den Mähdreschern einen heißen Empfang.
Kein Lüftchen weht. Im Himmel
zieh‘n gefährliche Wolken vorbei.

Ein Rotfuchs schleicht aus dem breiten
Wald und schnürt die Maisreihen entlang
begleitet vom Glockengebimmel
der Kühe und von Schwalbengeschrei –

 

Tag und Nacht auf Jägers Pfaden, Lyrik und Prosa zu Jagd und Natur (Anthologie), Dichterkreis Jagdlyrik im BJV, Ausgabe 2015 (Dezember 2014)