In der Nacht war ein bisschen Schnee gefallen.
Es schwieg die Stadt in der Mittagsruh,
still lachten die weißen Dächer.
Ich hatte das Villenviertel oberhalb
des alten Bahnhofs noch nicht verlassen,
als ich sah, nur wenige Meter vorm Wagen,
wie eine Schnepfe eben die platte,
gerade Straße auf einmal durchquerte.
Ob Blaufuß, Bekassine oder Eulenkopf
ist wirklich nicht einfach zu sagen,
da diese Begegnung zu flüchtig war,
doch lange genug, um ohne zu warten,
einen schnepfenartigen Vogel zu
erkennen: auffallend zwischen falb
und beige die rostbraune Färbung,
die großen Augen, der lange Stecher.
Und ich hatte mir gestern keinen Zopf
angetrunken, ich schwör’s, das Ganze ist wahr,
weder Sinnestäuschung noch Eigenwerbung.
War der Vogel, der uns beehrte
und einen so großen Gefallen
tat, ein wildes Tier, das sich wegen
des plötzlichen Schnees, es ist kaum zu fassen,
den Häusern der Kleinstadt genähert hatte
(immerhin sind Wiesen und Felder nicht weit,
der erste Wald zwei Kilometer entfernt),
oder hatte er sich, es spricht nichts dagegen,
bereits aus einer Voliere befreit?
Die Schnepfe jedenfalls, als hätte sie’s gelernt,
verschwand im nächstgelegenen Garten –